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Ein offenes Wort zum Radfahren in Indien

„So faszinierend Indien sein mag – es ist heiß, schmutzig, laut und der Verkehr chaotisch. Wie soll ich da radfahren?“ Soweit ein geläufiges (Vor)-Urteil. In der Tat, es ist tagsüber oft heiß. Die Einheimischen begegnen dem, in dem sie die Phasen ihrer Aktivität in die frühen Morgenstunden und den späten Nachmittag und Abend verlagern. Entsprechend planen wir den Beginn unserer täglichen Radtour bereits ab 07:00 Uhr, nehmen bereits davor oder unterwegs ein Frühstück ein und erreichen meist noch am Vormittag unser Tagesziel, da die Strecken selten 50-70 km überschreiten. Gut erholt geht es dann nach 16:00 Uhr auf zu den weiteren Erkundungen.

Neben Goa ist Kerala aufgrund der jahrhundertealten Erfahrung mit seefahrenden Arabern, Chinesen und seit dem 15. Jh auch Europäern ein weltoffenes und an den Austausch mit anderen Kulturen gewöhntes Stück Indien, in welchem speziell die Einflüsse durch die Christianisierung spürbar sind, d.h. es ist für einen ankommenden Westeuropäer deutlich vertrauter als andere indische Unionsstaaten, in denen er sich zunächst vom Alltag „erschlagen“ fühlen kann. Es kann für einen von den Keraliten  „Westener“ genannten mithin keinen besseren Einstieg in den indischen Subkontinent geben.

Der Straßenverkehr in Indien mutet in der Tat für das deutsche Empfinden zunächst chaotisch an, da es jeden dafür zur Verfügung stehenden Raum auszunutzen gilt. Mit der Erfahrung tausender absolvierter unfallfreier Rad-km auf dem Subkontinent lässt sich behaupten, dass das oberste Prinzip im indischen Straßenverkehr das der gegenseitigen Rücksichtnahme ist. Man kommt sich oft sehr, sehr nahe und hilft sich dann aneinander vorbei. Jeder von hinten oder der Seite kommende Verkehrsteilnehmer weist (ungewohnt lautstark!!) auf sein Kommen hin – die Hupe ist das meistgebrauchte Instrument. Speziell Fußgänger erwarten auch von Ihnen als Radfahrer den proaktiven Einsatz der Klingel, falls Sie überholen wollen. Anderenfalls kann es Ihnen passieren, dass letzterer, ohne sich umzuschauen, die Straße betritt und Sie u.U. erhebliche Probleme haben, ihn nicht umzufahren. Andererseits werden Sie keinen Verkehrsteilnehmer finden, der auf sein vermeintliches Vorfahrtrecht pocht, ohne nicht lautstark darauf hingewiesen zu haben. Eine durchaus angenehme, mitunter lebenswichtige Erfahrung für einen Radler.

Wo immer möglich vermeiden wir, auf Hauptstraßen zu fahren oder größere Städte zu durchqueren und nutzen vorzugsweise Nebenstraßen, die oft auch wegen des überbordenden Grüns angenehme Schattenspender sind. Diese sind zudem deutlich weniger befahren und werden deshalb oft zu weiteren sinnvollen Zwecken, wie dem Trocknen von Wäsche, Gewürzen oder dem „Dreschen“ von Reis mittels der Bereifung des laufenden Verkehrs genutzt. Die stets notwendige Aufmerksamkeit, gepaart mit Neugier, Toleranz und Offenheit für das lokal Andere wird Sie trotz aller neuen Einflüsse sehr schnell entspannt und lächelnd durch Ihr Gastland radeln lassen!